Das Internetverkehrsmanagement unterstützt schon seit langer Zeit Unternehmen darin, die Bandbreite ihres Netzwerks optimal zu nutzen. Jetzt macht Windows 7 mit seiner URL-basierten QoS-Option die Kontrolle darüber, welche Websites Netzwerkpriorität erhalten und welche nebenherlaufen, noch leichter als je zuvor.
Höchstwahrscheinlich verfügt jedermann auf Ihrem Intranet über Gigabit Ethernet mit einer Geschwindigkeit von 1 000 MB/s (Megabit pro Sekunde). Oder vielleicht verfügen Ihre Laptop-Nutzer schon über die noch leistungsfähigere Option, das 802.11n Wi-Fi mit 100Mbps Durchsatz. Das ist fantastisch – aber am Router ist Schluss mit lustig, wenn Ihre Nutzer es dann mit Ihrer weitaus beschränkteren Internetverbindung (vielleicht einer 44,6 MB/s T3-Leitung) zu tun bekommen. An dieser Stelle beginnt das Verkehrsmanagement.
Es gibt viele Möglichkeiten, um sicherzustellen, dass Ihre YouTube-Fans nicht die ganze Internetbandbreite für sich beschlagnahmen. Zum Beispiel können Extreme Network-Schalter, die Netzwerkverkehrsmanager des BIG-IP von F5 Networks und viele andere High-End-Netzwerkgeräte Sie dabei unterstützen, den unnötigen Internetverkehr in den Griff zu bekommen. Aber Microsoft hat jetzt einen neuen, leichten Weg zum Netzwerkverkehrsmanagement auf Windows 7 und dem Windows Server 2008 R2 kreiert: das URL-Quality of Service (QoS)-basierte Verkehrsmanagement.
Windows verfügt schon lange über ein QoS-Verkehrsmanagement, das für die Prioritäten mit Hilfe von Anwendungen, IP-Adressen und Portnummern setzt. Jetzt können Sie die jeweilige Priorität je nach Website-Adresse festlegen. Auf diese Weise kann ein Netzwerkadministrator seine Regeln an den Websites orientieren und muss nicht mehr nach den IP-Adressen graben, die sich im Laufe der Zeit ändern können. Zum Beispiel können Sie so die Site des Wall Street Journal als stark vorrangig einstufen, während Sie die Site von Euro-Sport sperren.
Dazu richten Sie zunächst eine QoS-Richtlinie auf dem Server 2008 R2 ein. Am einfachsten ist das mit Hilfe der Gruppenrichtlinien-Verwaltungskonsole.
Die Schlüssel zum Funktionieren dieses Ansatzes sind die Differentiated Services Code Points (DSCP). Sie wurden aus dem Internet-Netzwerkstandard RFC-2474 entwickelt, der definiert, wie dem TCP/IP-Paketkopf ein Wert zugeordnet wird. Er dient der Festlegung der Priorität eines Pakets bei seinem Weg durch ein Netzwerk. Allgemein ausgedrückt ist seine Priorität im Internetverkehr um so höher je höher der ihm zugewiesene DSCP-Wert ist. Die DSCP-Werte reichen von 0 bis 63, und eine unternehmensfremde Site, der Sie den DSCP-Wert 63 zugewiesen haben, kommt mit sehr viel höherer Geschwindigkeit hoch als eine Site wie Youtube, der Sie den DSCP-Wert von 0 zugewiesen haben.
Wie der Verkehr zu einer bestimmten Site genau gedrosselt wird, wird nicht nur durch ihren DSCP bestimmt. Sie müssen in der Gruppenrichtlinien-Verwaltungskonsole auch in Kilobytes pro Sekunde (KB/s) oder Megabytes pro Sekunde (MB/s) die Geschwindigkeit einstellen, mit der der Verkehr laufen darf.
Nachdem Sie Ihre DSCP-Werte und deren entsprechende Drosselungsraten in die Registerkarte Richtlinienprofil eingegeben haben, können Sie sie den URL zuweisen. Diese URL können Platzhalterzeichen enthalten, und Sie können – obwohl Sie das für die meisten Websites nicht brauchen, da sie standardmäßig Port 80 verwenden – eine Portnummer eingeben. Sie sollten auch das Kontrollkästchen Unterverzeichnisse und Dateien einbeziehen ankreuzen, damit die Verkehrsmanagement-Einstellungen für alle Unterverzeichnisse und Dateien eines URL gelten.
So finden Sie Ihre Unternehmensnetzwerkverbindung
Zwei Richtlinien können sich unter Umständen gegenseitig ausschließen. Um diesen gegenseitigen Ausschluss aufzuheben, wird zuerst der DSCP-Wert herangezogen und dann werden (in absteigender Reihenfolge) die Reihenfolge, in der die Host-Namen gelistet sind, die IPv6-Adressen, die IPv4-Adressen und die Platzhalter berücksichtigt. Daher vergewissern Sie sich bitte, wenn Sie Ihre Richtlinie erstellen, dass sie die geschäftszweckentscheidenden Sites mit ihren genauen URL-Adressen zuerst aufführen.
Um sicherzustellen, dass Ihre Richtlinien so funktionieren, wie Sie sich das vorgestellt haben, liefert Microsoft einen praktischen QoS-Verkehrsgenerator und liefert in seiner QoS Verkehrsgenerator-Beispielsyntax Beispiele zu dessen Benutzung
Was den Server anbetrifft, so ist die Aufgabe damit gelöst. In Bezug auf den Windows 7-Client müssen Sie nur ein paar Schaltflächen anklicken, und dann haben Sie es geschafft. Klicken Sie auf Start -> Systemsteuerung -> Netzwerk- und Freigabezentrum. Nach Erscheinen des Dialogfensters wählen Sie die geeignete LAN-Verbindung. Dann klicken Sie, wenn Sie im Fenster LAN-Verbindungsstatus sind, auf Eigenschaften, vergewissern sich, das die Optionsschaltfläche QoS-Paketplaner angekreuzt ist, und legen Sie los.
Wenn Sie die Eigenschaften der Verbindung vor sich haben, stellen Sie QoS ein. Das ist alles!
Natürlich geben Ihnen andere Netzwerk-Tools eine noch feinere Kontrolle über den Vorgang, aber für eine im Voraus zusammengestellte Netzwerkverkehrsmanagementlösung ist der QoS URL eine sehr praktische und benutzerfreundliche weitere Option in der Windows-Netzwerkfamilie.









