Virtualisierung ist die Fahrkarte, womit Sie ganz bequem im  Windows 7-Betriebssystemmigrationszug  fahren können. Wenn Sie die virtuelle Strecke kennen, gehen weniger Sachen kaputt, Konflikte lösen sich in Luft auf und die Zeit bleibt Ihr Freund, statt zum Feind zu werden.

Natürlich können Sie auch mit traditionellen Methoden Erfolg haben – aber Sie werden merken, dass diese Methoden schon bald in eine Sackgasse führen.

„Sie müssen Folgendes wissen“, so J. Peter Bruzzese, der Austauschdozent bei Train Signal, einer global operierenden, auf professionelle Computerschulungen spezialisierten Firma: „In Zukunft werden Sie feststellen, dass der virtualisierte Client und die ‚Sandboxed‘-Anwendungen zu Säulen der zukünftigen Konstruktions- und Bereitstellungsszenarien werden. Wenn Sie sich jetzt bei diesen Konzepten und Lösungen einen Vorsprung erarbeiten, haben Sie es bei späteren Upgrade-Versionen leichter.“

Die virtuelle Praxis

Es handelt sich um einen neuen Ansatz, der einen Lernprozess mit sich bringt: Zunächst einmal wird das Schema hier etwas grob umrissen. „Machen wir uns doch nichts vor: Mehrheitlich wurde die virtualisierte Bereitstellung eines Betriebssystems vor Windows 7 niemals ins Auge gefasst“, so Bruzzese. „Die Technologie ist immer noch neu und in der Entwicklung begriffen.“

„Virtualisierungstechniken entkoppeln die Hardware vom Betriebssystem, das Betriebssystem von den Anwendungen und die Anwendungen voneinander“, erklärt Ryan McCune, der Direktor der Abteilung Workplace Infrastructure Solutions (und hausinterne Windows 7-Fachmann) von Avanade.

Desktops sind traditionell monolithisch und mit einer eng gekoppelten Architektur versehen, so McCune. Durch die Entkoppelung dieser Komponenten können Organisationen ihre Abhängigkeiten sowie ihre Migrationskosten und die Migrationsschwierigkeit verringern. „Diese Techniken machen es leichter, billiger und gefahrloser, auf Windows 7 zu migrieren“, so McCune. „Darüber hinaus gewährleistet die richtige Implementierung, dass nachfolgende Migrationen zur Routine werden und kein kostspieliges und unangenehmes Ereignis mehr sind.“

Tools, Toolkits und „Virtual-in-a-Box“

Glücklicherweise sind die von Ihnen für die Virtualisierung bei der Bereitstellung benötigten Tools größtenteils bereits im Windows 7-Paket enthalten.

„Microsoft hat eine Vielzahl von verschiedenen Hilfstools zur Verfügung gestellt, wie etwa MAP 4.0; das Anwendungskompatibilitäts-Toolkit 5.5, das die Standardbenutzeranalyse enthält; das Automated Installation Kit mit USMT; das Microsoft Deployment Toolkit 2010 und eine Vielzahl anderer Tools. Sie helfen bei der Migration von Benutzerpersönlichkeiten auf Windows 7, stellen saubere Installationen von Windows 7 bereit und aktualisieren bestehende Szenarien, einschließlich Anwendungen, auf Windows 7“, erklärt Bruzzese. „Für jede mögliche Mischung, die Sie sich vorstellen können, gibt es das Tool, dass Ihnen bei der Bereitstellung hilft.“

Damit Sie aus den Tools das Bestmögliche herausholen können, gibt Mike Karp, der Gründer und erste Analyst von Infrastructure Analytics, im Folgenden einen Überblick:

  • Das Microsoft Desktop-Optimierungspaket (MDOP), das allen Unternehmensdatenzentren zur Verfügung gestellt wird, enthält ein Programm namens Microsoft Application Virtualization (abgekürzt APP-V). Mithilfe von APP-V können IT-Manager Anwendungen von Servern auf PC streamen, sodass die Anwendungen ohne lokale Installationen ausgeführt werden können. Die Anwendungen selbst bleiben auf dem Server und residieren niemals tatsächlich auf den Clients, sodass die Pflege leichter wird (sie findet auf dem Server statt und nicht an den einzelnen Desktop-Computern). Damit ist auch die Wahrscheinlichkeit von Software-Konflikten auf den Clients reduziert.
  • Eine weitere Verbesserung befindet sich ebenfalls im MDOP in einem Paket namens Microsoft Enterprise Desktop Virtualization (abgekürzt MED-V), einem Desktopvirtualisierungstool, dass die richtlinienbasierte Übertragung virtualisierter Anwendungen auf Anfrage ermöglicht. Das Erscheinen dieses Programmes auf Windows 7 ist jedoch erst fürs nächste Jahr vorgesehen.
  • Einiges Aufsehen erregte bereits das Programm Windows XP Mode, eine virtualisierte Umgebung, dank derer  die Benutzer ihre bewährten Windows XP-Anwendungen auf ihren neuen Windows 7-Desktops laufen lassen können. Dies kann ein sehr wichtiges Tool werden, das es hochgradig wahrscheinlich macht, dass bewährte Anwendungen auch auf dem neuen Betriebssystem laufen – solche Kompatibilität ist immer ein Problem, wenn ein neues Betriebssystem eingeführt wird. „IT-Manager müssen jedoch wissen, dass sie, wenn sie XP-Mode-Clients laufen lassen, zunächst sicherstellen müssen, dass die Prozessoren in ihren Desktop-Rechnern eine Hardwarevirtualisierung unterstützen können“, so Mike Karp. „Die meisten Prozessoren am unteren Ende können das nicht, sodass Datenzentren, die im letzten Jahr oder so billig eingekauft haben, gewarnt sein sollten.“

Der Teufel steckt im Detail

Anwendungen über eine Virtualisierungslösung zu „sandboxen“ (sie von anderen zu isolieren), die sich direkt in das Betriebssystem integrieren kann, hat mehrere Vorteile:

  • Sie ist für den Benutzer unsichtbar. Abgesehen vom fehlenden Aero-Milchglas-Effekt, erhält der Benutzer keinen Hinweis darauf, dass eine bestimmte Anwendung virtuell ausgeführt wird. Sandboxed-Anwendungen können zum Startmenü hinzugefügt und leicht geöffnet werden, sodass sich der Lernprozess bei den Benutzern stark beschleunigt.
  • Inkompatibilitätsprobleme werden vermieden. „Virtualisierte Anwendungen laufen auf diese Weise, obwohl sie dies direkt auf Windows 7 möglicherweise nicht oder nicht so problemlos könnten“, so Bruzzese. „Warum sich über das Problem der Kompatibilität einer XP-Anwendung Gedanken machen, wenn sich das Problem bei entsprechender Vorgehensweise vollständig erledigt.“ Annette Dow, der Chief Executive Officer von Binary Research International, stimmt zu: Eine Sandbox [wörtlich: Sandkiste] wird in der Regel zu Tests oder zur Isolierung verwendet. Das heißt, dass eine Anwendung, die unter XP funktioniert, unter Windows 7 im XP-Modus weiter funktioniert, wobei es sich beim XP-Modus um einen virtuellen Computer handelt. Somit können Großunternehmen bei Bedarf Anwendungsinkompatibilitäten ignorieren, z. B. wenn sie keine Zeit dazu haben, herauszufinden, warum etwas nicht unter Windows 7 funktioniert, ohne dass sie das Windows 7-Bereitstellungsprojekt dafür abbrechen müssen“, erklärt Dow.
  • Zusätzliche Kosteneinsparungen. Die Unternehmen können Kosten einsparen, indem sie Upgrade-Kosten von Drittfirmen aus dem Weg gehen. „Die Fähigkeit, eine Anwendung zu ‚sandboxen‘ und keinen Pfennig für Upgrades zahlen zu müssen, bedeutet für Großunternehmen eine enorme Kostenersparnis“, erklärt Bruzzese.

Kreativ denken außerhalb der Sandbox

Jedoch geht es beim Einsatz der Windows 7-Virtualisierung um mehr als nur um das einfache Einpacken in eine Sandbox.

„Die Fähigkeit, eine Datei als virtuelle Festplatte zur Verfügung zu stellen, kann möglicherweise dafür sorgen, dass keine Notwendigkeit mehr für Systemabbildsicherungen besteht, oder einen Weg aufzeigen, wie ein Dual-Boot-System mit einer virtuellen Festplattendatei die Windows 7-Installation enthalten kann”, erläutert Dow.

Die Nutzung virtueller Festplatten eröffnet ganz neue Forschungsmöglichkeiten.

„Microsoft bietet einige milde virtuelle Desktoplösungen an, die über eine vhd-Datei die Nutzung eines virtualisierten Systems enthalten, wobei man die vhd-Datei direkt zum Hochfahren verwenden kann“, so Bruzzese.

Im Wesentlichen fährt der Rechner physikalisch hoch und nutzt die vhd-Datei zusammen mit dem darin enthaltenen System und den zugehörigen Anwendungen. „Das einzige Problem besteht im Mangel an Managementtools, die Großunternehmen zusammen mit dieser Lösung anwenden können“, so Bruzzese.

Es gibt auch das Konzept der virtuellen Desktopinfrastruktur (abgekürzt VDI), die über eine Verbindung zwischen Terminaldienst und dünnem Client hinausgeht. Mit der VDI wird das Windows 7-System auf einem Server-Datenzentrum gehostet. „Die Benutzer haben das Gefühl, dass sie mit Windows 7 an ihrem Desktopcomputer arbeiten, besitzen jedoch in Wirklichkeit eine Remote-Verbindung zu ihrem virtuellen Desktop“, erklärt Bruzzese. „Sie können dieses System im Hause hosten oder sich einen Dienstanbieter für gehostete virtuelle Desktops (HVD) aussuchen.“

Wie die Virtualisierung die Windows 7-Bereitstellung in Großunternehmen erleichtert

Obwohl die Diagramme und Planungsgespräche interessant ist, bleibt immer noch das Problem, wie das alles in der Realität funktioniert. Was bedeutet die Nutzung der Virtualisierung zur Bereitstellung von Windows 7 tatsächlich in der Praxis?

„Windows 7 kommt zur richtigen Zeit, um die alle nach dem gleichen Muster gestrickten traditionellen Ansätze zu überwinden und Plattformen wie die Präsentationsvirtualisierung (Remote-Terminale) und die virtuelle Desktopinfrastruktur (gehostete, fest zugeordnete, virtuelle Desktops) auf die Teile der Belegschaft auszurichten, die die Einsparungen bei den Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO) und die von der Virtualisierung ausgehende neue Flexibilität am besten ausnutzen“, erklärt McCune.

Insbesondere sind seiner Meinung nach zwei Vorteile zu beachten:

  • Vielnutzer wie Entwickler und Ingenieure können sich aus einem gemeinsamen Pool zusätzliche Prozessor- und Speicherkapazitäten sichern, wie ihre Aufgaben es erfordern, ohne dass sie ihre Desktops aktualisieren müssen. Vergleichen Sie das mit Situationen, in denen diese Arbeitskräfte mehrere Desktops pflegen und sie häufig aktualisieren.
  • Aufgabenbasierte Arbeitskräfte können auf ihren gehosteten virtuellen Desktop von einer Vielzahl von Rechnern und Standorten aus zugreifen. Falls ein Rechner ausfällt, wird ihre Produktivität davon nicht berührt; der Benutzer meldet sich an einem anderen Rechner an und kann sofort weitermachen.

Eine Rückfallposition

Vielleicht der größte Vorteil, den die Nutzung der Virtualisierung bei Windows 7 mit sich bringt, ist die Sicherheit, die sich aus einem diesbezüglichen neuen Sicherungssystem ergibt.

„Früher konnten Leute, die ihren Upgrade nicht ordentlich planten, immer noch auf eine gewisse Anzahl von Funktionen zurückgreifen. „Beim Upgrade von Windows XP auf Windows 7 ist das jedoch anders“, so Mark Kadrich, der Chief Executive Officer von The Security Consortium. „Organisationen müssen sehr sorgfältig planen, damit für ihre kritischen Anwendungen eine Art von Plan als Rückfallposition besteht.“

Er rechnet damit, dass es zu Software-Kompatibilitätsproblemen kommen wird, ähnlich dem großen Jammer, der bei Vista wegen der Treiber ausbrach, und zu Hardwarekompatibilitätsproblemen, die die Organisationen dazu zwingen, stärker in Hardware zu investieren. „Wir empfehlen unseren Kunden, dass sie einige wenige Großserver einrichten, [virtuelle Computer] aus ihren kritischen Systemen erstellen und diese dann auf den Servern archivieren“, erklärt Kadrich. „In einem Notfallszenario können sie dann auf die virtuellen Computer zurückgreifen und trotzdem noch einige Aufgaben erledigen.“

„Wir empfehlen unseren Kunden außerdem, dass sie versuchen, dass älteste System zu finden, das sie besitzen, und feststellen, welche Probleme ihnen bei diesem System beim Upgrade begegnen“, fügt er hinzu. „Damit erhalten die Kunden den kleinsten gemeinsamen Nenner in Bezug auf die Ausgangshardware, die sie vor Beginn des Upgrade benötigen.“

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