Es werden sich wahrscheinlich bestimmte Branchen recht früh für Windows 7 erwärmen, wie z. B. CAD-Designexperten, Technologiefirmen, Lehranstalten und Telekommunikationsunternehmen.

Diese Branchen können die stark angepriesenen Vorteile von Windows 7 wahrscheinlich am ehesten ausschlachten, wie geringeren Hardware-Speicherbedarf, Mehrfingernavigation und Tablet-PCs und somit aus dem Umstieg auf ein neues Betriebssystem den meisten Nutzen ziehen.

Wie bei jeder anderen übergreifenden IT-Akzeptanz werden geschäftliche Vorteile (verbesserte Rendite, Produktivität und Kundendienst) die Oberhand über Furcht, Ungewissheit und Zweifel gewinnen, obgleich die meisten Experten warnen, dass eine solche Akzeptanz nicht über Nacht geschehen wird bzw. sich in einem Unternehmen über mehrere Monate hinziehen kann.

„Bestimmte Features von Windows 7 kamen neu hinzu oder wurden verbessert wie Touchscreen-Funktionen, was potenziell eine Akzeptanz in den Branchen wie Gesundheits- und Bildungswesen vorantreiben kann“, erklärte Russ Conwath, Senior Research Analyst bei Info-Tech Research Group.

Man kann damit rechnen, dass manche Industrien eher bereit sind, in das neueste Betriebssystem von Microsoft zu investieren, was zum einen an der Unzufriedenheit mit Windows Vista liegt und zum anderen an den verbesserten Funktionen bei Windows 7. Andere Branchen jedoch, und darunter hauptsächlich diejenigen, die von jeher zögerten, jeweils die neueste und tollste Software eines Anbieters zu implementieren, werden sich wahrscheinlich noch zumindest im nächsten Jahr auf die zuverlässigen, bewährten und reichhaltigen Drittanbieteranwendungen bei Windows XP verlassen.

Wer rollt den Roten Teppich zuerst aus?

Es verwundert niemanden, dass wahrscheinlich Technologieunternehmen mit die Ersten sein werden, die  für Windows 7 den Roten Teppich ausrollen, meint jedenfalls Dimensional Research. „Technologieunternehmen haben von jeher ihre Nase vorn“, äußerte Diane Hagglund, Senior Research Analyst.

Dicht auf ihren Versen werden sich wahrscheinlich einige Telekommunikationsunternehmen für Windows 7 erwärmen. Dies geht aus einer Vorabversionsumfrage von 1142 IT-Experten vom März 2009 hervor. Dimensional Research stellte jedoch auch fest, dass, wenn man einmal von jenen Unternehmen absieht, deren Erfolg bzw. Misserfolg jeweils davon abhängt, wie sehr sie mit neuen Technologien und Geräten auf dem Laufenden bleiben und sie dann mit solchen Organisationen vergleicht, deren Existenz nicht von den neuesten technischen Entwicklungen abhängt, dann könnte sich sehr wohl die Bildungswesenbranche ganze vorne tümmeln und die Akzeptanz von Windows 7 anführen. Aus der Umfrage ging hervor, dass 20 % der untersuchten Bildungsorganisationen einen Upgrade zu Windows 7 innerhalb des ersten Jahres planen, verglichen zu  knapp 30 % von Technologie- und Telekommunikationsunternehmen.

„Bildungseinrichtungen neigen immer zur neuesten Software-Version“, stellte Hagglund fest. „Man kann sie im Hinblick darauf, wie sie ihre technologischen Entscheidungsfindungen treffen, in etwa zwischen Corporate IT und dem Klassenzimmer einordnen. Sie wollen immer das Neueste und Tollste für ihre Studenten, und dies fällt wiederum auf Corporate IT zurück.“

Die Bereitwilligkeit von Bildungsorganisationen, Windows 7 zu akzeptieren, mag teilweise an der Preisgestaltung des Betriebssystems liegen – kostenlos für alle mit einer Enterprise-Lizenz und der Fähigkeit, Windows XP-Anwendungen auszuführen.

Dimensional Research: Welche Branchen akzeptieren Windows 7?

Fundierte Entscheidungen?

Laut dem Bericht von Dimensional Research planen nur 12 % der Gesundheitsorganisationen innerhalb von einem Jahr auf Windows 7 umzusteigen. Seit dieser Umfrage hat sich der Gesundheitsmarkt jedoch beträchtlich verändert.  Staatliche Vorschriften, wie im Gesundheitsteil des amerikanischen Konjunkturprogramms von 2009 (ARRA) und dem HIGHTECH-Act/Initiative zur Verwendung elektronischer Patientendaten, verwenden Zuckerbrot und Peitsche bei ihrem Versuch, medizinische Organisationen zur Investition in Technologien zu überreden, und zwar angefangen mit EMRs (digitalen Patientenakten), über CPOE (Erfassung therapeutischer Anweisungen von Ärzten mittels Computern) bis zu Ensamble HIE (Austausch von Patienten- und Befunddaten) sowie Telemedizin.

Krankenhäuser verfügen natürlich bereits über ein breites Netzwerk und PC-Implementierungen, aber lediglich 8 bis 10 % investierten laut einer kürzlichen Umfrage in EMRs (digitale Patientenakten). Weitere 90 % der Krankenhäuser müssen sich abrappeln, EMRs innerhalb der nächsten fünf Jahre zu implementieren. Da man davon ausgehen kann, dass Software-Entwickler eifrig dabei sind, ihre Anwendungen so umzukrempeln, dass sie die Vorteile von Windows 7 ausnützen können, ist es nur logisch, dass Krankenhäuser eventuell zu den größeren Branchen gehören, die Windows 7, zumindest teilweise, akzeptieren.

Schließlich stellte sich bei einer ChangeWave-Befragung von 2000 IT-Einkäufern in den verschiedensten Branchen heraus, dass 14 % unter ihnen zumindest einige PC- und Server-Bestellungen bis zum Erscheinen von Windows 7 verschoben haben.

Andere Märkte wie Betreutes Wohnen und Seniorenresidenzen beginnen nun damit, beträchtliche Summen in Netzwerke, PCs und Laptops zu investieren und schüren somit bereits jetzt den Bedarf an Technologien von Heute und nicht von Gestern.

Gastfreundliche Umgebung

Ähnlich sieht es in der Gastronomie aus. Diese Branche hat die Technologie erneut im Blickfang und könnte für Windows 7 zu einem Hauptkunden werden. Sheraton Hotels & Resorts z. B.  hat Windows 7 bereits in ihre Multimilliarden-Dollar-Initiative zur Sanierung und Renovierung integriert.

Nachdem drahtloser Netzwerkzugriff inzwischen keine entscheidene Rolle mehr spielt, schauen sich Hotels nach anderen Methoden um, wie sie ihren Marktanteil mittels Technologie ankurbeln können. Gastronomie-Unternehmen erweitern deshalb ihre Online-Funktionen und schauen sich nach anderen potenziellen technologischen Geschäftsankurbelungsmaßnahmen um.

Die Muttergesellschaft Starwood Hotels & Resorts nahm sich Windows 7 für Unternehmenszwecke unter die Lupe und beabsichtigt demnächst eine komplette Programmüberholung. Eine auf den Kunden ausgerichtete Website-Technologie, wie die auf Windows 7 basierende Link@Sheraton, muss die Marke dieser Hotelkette widerspiegeln und aufpolieren, meinte Mark McBeth, Vice President von IT bei Starwood.

Wie wäre es mit einem Tablet?

Anwendungsbereiche, die bereits Tablet PCs verwenden (u.a. Gesundheitswesen, Immobilien, Einzelhandel und Versicherungen), entscheiden sich möglicherweise eher früher als später zur Anschaffung von Windows 7. Die verbesserte Handschrifterkennung allein dürfte die Akzeptanz in Bereichen wie dem Gesundheitswesen nach vorn katapultieren, wo die Sicherheit mit ein Hauptgrund für den Kauf jeglicher Lösungen ist, egal ob technologisch oder nicht. Mit der Windows 7-Funktion SNAP kann ein Arzt oder Fakturierer Dateien nebeneinander vergleichen und obendrein werden Produktivität und Jobzufriedenheit verbessert.

Aufgrund der verlängerten Batterielebensdauer kann Aufladen in längeren Abständen erfolgen, und die Sicherheitsverbesserungen versprechen einen Datenschutz ohne die vielen lästigen und zeitraubenden Windows Vista-Schleifen. Schließlich wird es für diejenigen Ärzte, die in den kommenden Jahren CPOE verwenden müssen, vielleicht während der vorgeschriebenen Umstellung ein Trost sein, wenn sie mittels Touchscreens Tippen und Mausklicks ganz eliminieren oder zumindest reduzieren können.

Die neuen Treiber von Windows 7, die physikalische und rollenbasierte Sensoren wie RFID und USID unterstützen, geben ja vielleicht Einzelhändlern und Vertriebshändlern den notwendigen Antrieb zum Kauf dieses Betriebssystems.

„Unternehmen, bei denen es auf Geschwindigkeit und Sicherheit ankommt – und wo ist dies nicht der Fall? – werden von Windows 7 anvisiert. Je nach Verkaufswertbeitrag könnten diese Faktoren allein für einen möglichen Windows 7-Anwender den Ausschlag für einen echten Upgrade geben.

„Unternehmen, die verarbeitungsintensive Anwendungen wie computergestütztes Design (CAD) verwenden, das stark von der Fähigkeit des Betriebssystems und seiner Geschwindigkeit und Leistung abhängt, kommen vielleicht als Nächstes zumindest selektiv infrage“, kommentierte Russ Conwath von Info-Tech.

Die primäre Hürde

Die größte Hürde für Windows 7?  Der ältere Bruder Windows XP! Obwohl XP jetzt rapide sein Lebensende erreicht, haben es viele IT-Führungskräfte nicht eilig, dem vertrauten Betriebssystem den Hahn zuzudrehen.

Darüberhinaus hat die wirtschaftliche Lage ebenfalls einen Einfluss auf die zukünftigen IT-Pläne der Unternehmen. Falls sich jedoch die finanzielle Lage im Land schneller als erwartet verbessern sollte und Budgetsorgen am Abflauen sind, dann könnte es zu schnelleren Implementierungen kommen, insbesondere auch weil mit den Sitelizenzen der IT-Abteilungen für Betriebssysteme und dem geringen Speicherbedarf von Windows 7 manche, wenn auch nicht alle, Upgradekosten vermieden werden können.

Dimensional Research stellte fest, dass einige Unternehmen schon deshalb auf Windows 7 übergehen wollen, weil sie keinen Upgrade von Windows XP zu Windows Vista durchführen möchten. Weiter stellte das Forschungsunternehmen fest, dass diejenigen, die auf Windows 7 überwechseln wollen, dies innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate tun werden, und zu diesem Schluss kam auch Russ Conwath von Info-Tech.

„Zieht man die angestaute Notwendigkeit einer Aktualisierung von Windows XP in Betracht, das Timing des Lebensendes von Windows XP, das Timing der Freigabe von Office 2010 und dies alles im Zusammenhang mit den Hardware-Aktualisierungszyklen der Unternehmen, dann ist meine Schätzung zwei bis zweieinhalb Jahre“, meinte Russ Conwath in Bezug auf eine massenhafte Akseptanz von Windows 7. „[Treiber sind hierbei] der angestaute Bedarf, coole Benutzeroberfläche, Energieverbrauch und Leistung, verbesserte Sicherheit und Verwaltbarkeit. Und schließlich macht Windows 7 vielen, wenn auch nicht allen lästigen Aspekten von Vista den Garaus.“

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