Netzwerkadministratoren werden bei der Windows 7-Vernetzung viele Verbesserungen feststellen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Verbesserungen vor, über die IT-Manager informiert sein müssen.
Unter dem unscheinbaren Aero-Exterieur von Windows 7 verstecken sich mehrere wichtige Verbesserungen für Windows-Netzwerkadministratoren. Manche Änderungen, wie zum Beispiel die neue Home Group Freigabe-Dienstprogramm, sind leicht zu finden. Viele andere jedoch sind tiefer versteckt.
Bevor wir uns mit dem Netzwerkfeature befassen, das sich direkt unter der Oberfläche befindet, nämlich HomeGroup, müssen wir ein anderes Windows 7-Feature betrachten, das dessen Nützlichkeit unterstützt: Bibliotheken.
Windows 7-Bibliotheken sind Meta-Ordner, in denen man Dateien von mehreren Quellen in eine Ordneransicht zusammenfassen kann. Aus der Sicht des Benutzers ist dies ein Ordner wie jeder andere. Technisch Versierte jedoch werden erkennen, dass es sich hier tatsächlich um eine indizierte Ansicht von Dateien handelt, die aus fast jedem Bereich stammen können, auf die Ihr vernetztes Windows 7-System Zugriff hat. Wenn Sie also zum Beispiel Fotos der Immobilien Ihrer Firma auf Ihrer Festplatte, auf einem externen Laufwerk und der Festplatte Ihres Kollegen hätten, so könnten Sie die „Fotos‟-Bibliothek verwenden, um Fotos aus all diesen Speicherorten anzuzeigen.
Windows 7 ist standardmäßig mit vier „lokalen‟ Bibliotheken ausgerüstet: Dateien, Fotos, Videos und Musik – dieses Set kommt Ihnen wahrscheinlich bekannt vor. Das ist die Windows 7-Version von Eigene Dateien. Der Hauptunterschied besteht darin, dass Sie nicht nur Dateien in diese Verzeichnisse einstellen können, sondern durch diese Verzeichnisse auch schnell Zugriff auf andere Dateien haben, unabhängig davon, wo sie sich befinden.
Haben Sie erst einmal die Speicherorte für das Foto in die Foto-Bibliothek eingegeben, brauchen Sie sich darum nicht mehr zu kümmern. Alle Fotos, die in die verschiedenen Verzeichnisse eingestellt werden, erscheinen automatisch in Ihrer Foto-Bibliothek. Das Gleiche gilt natürlich auch für alle anderen Dateien, die Sie mithilfe einer Bibliothek verfolgen.
Während Bibliotheken Ihnen dabei helfen, hier und da verstreute Dateien auf praktische Art zu verfolgen, können Sie sie auch benutzen, um Ihnen beim Aufräumen Ihrer Unterlagen zu helfen. Wenn Sie zum Beispiel Ihre Fotos oft mit PhotoShop Elements oder einem ähnlichen Programm bearbeiten, möchten Sie vielleicht auch die Originale archivieren. Erstellen Sie einfach eine Bibliothek für „Original-Fotos‟ ein und richten Sie sie so ein, dass sie die Ordner verfolgt, in denen Sie Ihre unbearbeiteten Schnappschüsse aufbewahren – Springfield Immobilien, South Park Immobilien, usw. – und, voilá, Sofort-Foto-Archive.
HomeGroup
Praktisch, oder? Mit HomeGroup, Microsofts neuester Version eines Peer-to-Peer-Netzwerks, können Netzwerkadministratoren anderen Windows 7-Benutzern Bibliotheken freigeben. Wollen Sie zum Beispiel andere an Ihr Original-Foto-Archiv lassen, so können Sie den Ordner frei zugänglich machen und anderen Netzwerkbenutzern Zugriff auf Ihre Fotos ermöglichen. HomeGroup macht auch die gemeinsame Verwendung von Druckern möglich.
Das kennen Sie schon. Mit Peer-to-Peer-Vernetzung konnten Sie so etwas schon mit Windows tun, als es im Jahr 1992 noch Windows for Workgroups gab. Diesmal jedoch hat Microsoft an dieser Art von Vernetzung mehrere Verbesserungen vorgenommen. Erstens erfordert HomeGroup Kennwortsicherheit, bevor PCs verbunden werden können. Ist dies einmal eingerichtet, können Sie bestimmen, dass Benutzer ein Kennwort eingeben müssen, bevor sie auf HomeGroup-Dateien zugreifen. In der Vergangenheit hat Windows es viel zu leicht gemacht, ein Heimnetzwerk einzurichten, das auch Amateur-Hackern offenstand. Ein HomeGroup-Netzwerk ist viel sicherer als seine Vorgänger.
Dank Setup-Assistent und Konfigurationsdialogen lässt sich HomeGroup auch leicht einrichten. Standardmäßig werden alle Bibliotheken des Computers gemeinsam benutzt. Windows 7 macht es jedoch leicht zu entscheiden, was und was nicht gemeinsam verwendet werden soll. Sie können auch gemeinsam individuelle Ordner verwenden. Aber warum sich soviel Mühe machen? Mit Bibliotheken geht das viel bequemer. Benutzer und Administratoren haben auch die Möglichkeit, anderen nur die Ansicht anstatt der Bearbeitung von Bibliotheksdateien zu gewähren, wenn Sie zum Beispiel jemandem nicht genug vertrauen, um ihm das Kopieren und Bearbeiten eines Foto-Originals zu ermöglichen.
Bei HomeGroup geht es jedoch nicht nur um File und Print. Mit dem Dialogfeld „Erweiterte Freigabe‟ können Administratoren Netzwerkerkennung einrichten, um anderen Netzwerkbenutzern zu ermöglichen, Benutzer-Bibliotheken zu finden oder mithilfe der eingebauten Medienfreigabe, Medien anzuschauen oder anzuhören. Nicht zuletzt kann ein PC sowohl Mitglied einer HomeGroup und einer geschäftlichen Domäne oder eines AD-Netzwerks (Active Directory) sein. Dies war bei früheren Versionen von Windows Peer-to-Peer nicht möglich.
Das sind die guten Neuigkeiten. Die schlechten Neuigkeiten sind, dass HomeGroups nur Mitglieder haben kann, die Windows 7 verwenden. Verwender von Windows XP, Macintoshes und sogar Windows Vista brauchen sich gar nicht zu bewerben. Trotz allem ist Windows 7 eine verdammt praktische und sehr einfache Art und Weise, Netzwerke einzurichten, wenn Sie alle PCs in Ihrer Firma auf Windows 7 umstellen.
Easy Connect
Was sagen Sie da? Sie haben Schwierigkeiten mit Ihrer HomeGroup? Warum bitten Sie dann nicht einen Freund um Hilfe? Oh, Ihr technischer Support ist 500 Kilometer weit entfernt? Kein Problem!
Mit Easy Connect und dem zugrunde liegenden PNBRP (Peer Name Resolution-Protokoll) kann Ihr Helpdesk, mit Ihrer Erlaubnis, eine Remotedesktopverbindung zu Ihrem Windows 7 PC herstellen und Ihr Problem beheben. Das ist viel angenehmer, als das Hin und Her mit „Und was sehen Sie jetzt auf Ihrem Bildschirm?‟, das so viele von uns über die Jahre durchstehen mussten.
Bei Windows XP und Windows Vista leistete Remoteunterstützung dieselbe Arbeit. Der Name „Easy Connect‟ (einfache Verbindung), sagt Ihnen gleich, was hier ins Spiel kommt: es ist leicht. Es ist auch sicher. Easy Connect verwendet nicht nur Kennwortsicherheit, sondern auch Windows 7′s eingebautes Teredo IPv6 Netzwerkprotokoll-Tunneling über das Internet, um sicherere Verbindungen zwischen Ihnen und Ihrem hilfsbereiten Freund herzustellen.
Bei Netzwerkproblemen kommen Sie jedoch vielleicht ohne die Hilfe Ihrer IT-Abteilung aus. Windows 7 verfügt über einen Update von Vistas „Diagnose und Reparatur‟, das „Fix a Network Problem‟ heißt. Diese automatische Funktion zur Überprüfung und Reparatur löst nicht alle Ihre Netzwerkprobleme, ist aber zur Behebung der häufigsten Probleme nützlich.
Drucken am Aufenthaltsort
Bisher waren alle neuen Windows 7 Netzwerk-Features, die wir uns angeschaut haben, eher für den Privatbenutzer als den Geschäftsbenutzer. Keine Sorge: Windows 7 hat auch Geschäftsbenutzern und Netzwerkadministratoren viel zu bieten.
Nehmen wir zum Beispiel an, dass Sie Ihren Geschäfts-Laptop immer mit nach Hause und wieder zur Arbeit nehmen. Mit Windows 7 Professional und Ultimate können Sie jetzt Drucken am Aufenthaltsort verwenden, um automatisch – je nachdem, wo Sie sich gerade aufhalten – Ihren Drucker zu wechseln.
So können Sie Ihre Drucker wie gewohnt einrichten, würden dann jedoch noch einen Schritt weiter gehen, indem Sie Drucker verschiedenen Aufenthaltsorten zuweisen. Ist dies getan, so kümmert sich Windows 7 um den Rest. Wenn Sie zu Hause sind, schickt es Druckaufträge automatisch an den Drucker in Ihrem Heimbüro; sind Sie am Arbeitsplatz, so schickt es sie an den Standarddrucker Ihres Büros. Alles glatt und sauber. (Siehe auch Lynn Greiners Artikel Office and Away für mehr Informationen über dieses Feature.)
Verfügbare Netzwerke anzeigen
Benutzer auf Reisen werden das neue Windows 7-Feature Verfügbare Netzwerke anzeigen zu schätzen wissen. Dieses Feature ermöglicht Ihnen eine klare, einfach bedienbare Übersicht über alle verfügbaren Netzwerkoptionen. Wi-Fi? Haben wir. VPN (Virtuelles Privates Netz)? Auch dabei. 3G-Verbindung? Gleich hier. Sie verstehen schon. Es ist ein kleines Feature, das jedoch auch sehr nützlich ist.
URL-basierte Dienstgüte (QoS)
Dienstgüte (QoS) ist für Windows 7-Benutzer unsichtbar. Netzwerkadministratoren jedoch werden sich dafür interessieren, dass man jetzt mit Windows 7 QoS-Richtlinien auf Basis von Webadressen, auch URLs genannt, einrichten kann. Mit diesem Feature kann ein System-Manager die Dinge so einrichten, dass zum Beispiel Verkehr vom SharePoint-Server der örtlichen Niederlassung oder vom Unternehmens-Server, der Training-Videos hostet, eine höhere Netzwerkpriorität erhält, als vielleicht YouTube. Matthias tanzt immer noch, aber auf langsamerer Bandbreite.
Je mehr Anwendungen auf Servern gehostet werden und Software as a Service (SaaS) wächst, desto leichter wird es für Administratoren sicherzustellen, dass Netzwerkverkehr mit hoher Priorität schneller und besser durchkommt.
DirectAccess
Einige Netzwerk-Features in Windows 7 werden nur von denjenigen gesehen, die sich die Enterprise Edition holen. Und von denen glänzen die Wichtigsten nur dann, wenn man auch Windows Server 2008 R2 verwendet. Das nützlichste dieser Features ist vielleicht DirectAccess. Es handelt sich hier im Wesentlichen um ein IPSec-VPN, das – wieder einmal dank Teredo – über gewöhnliche IPv4-basierte LANs und das Internet läuft.
Obwohl Microsoft behauptet, DirectAccess sei kein VPN, so ist doch ein VPN. Die Semantik ist hier jedoch nicht so wichtig: Wichtig ist, dass DirectAccess sowohl VPN-Service als auch eine Möglichkeit für Netzwerkadministratoren bietet, auf dem Laptop eines Benutzers Software-Updates zu forcieren und Gruppenrichtlinien zu modifizieren, selbst wenn dieser sich tausend Kilometer entfernt vom nächsten IT-Spezi Ihrer Firma befindet. DirectAccess ermöglicht Netzwerkadministratoren auch, Laptops direkt zum Internet gehen zu lassen, um die meisten Netzwerkbedürfnisse des Benutzers zu erfüllen und durch DirectAccess nur Büro-Verkehr zu senden und zu empfangen. Bei gewöhnlichen VPNs hingegen wird Ihr ganzer Verkehr durch das Büro geleitet, sobald Sie sich auf dem VPN befinden, selbst wenn Sie nur mal die Speisekarte eines benachbarten Restaurants nachschauen.
BranchCache
Das zweite wichtige Windows 7 Enterprise Edition/Windows Server 2008 Feature ist BranchCache. Es bringt frischen Windows 7 Wind in die alte Idee vom Vernetzungs-Cache, wo lokal eine Kopie von häufig benutzten Informationen gespeichert wird. Mit BrancheCache wird eine lokale Kopie erstellt und in Ihrem Teilstrukturserver 2008 R2 Server aufbewahrt, falls Sie und Ihre Kollegen alle anfangen, sich das gleiche Unternehmensdokument häufig anzuschauen. Oder, falls Sie einen solchen Server nicht haben – und hier wird’s richtig interessant – können Sie Verteilter Cache verwenden, sodass die Dateien direkt auf anderen lokalen Windows 7-Computern zwischengespeichert werden, um dann je nach Bedarf an andere Windows 7-Clients verteilt werden zu können. Klasse, oder?
Alles in allem gibt es eine Menge tolles Vernetzungszeug in Windows 7, von Features, die sich für den Privatbenutzer eignen, der nur eine einfache Art und Weise zur Dateifreigabe möchte, über den Geschäftsreisenden, der sich das Leben leichter machen will bis hin zum IT-Manager eines Unternehmens, der Netzwerk-Effizienz verbessern will. Und das Beste ist: Was auch immer Sie von Windows 7-Vernetzung erwarten, es ist viel leichter zugänglich als in früheren Windows-Versionen. Viel Spaß!









